
Der Schnitzaltar in der Nicolaikirche gehört zum Besten,
was von Antwerpener Künstlern des frühen 16. Jahrhunderts auf uns gekommen
ist. Diese Tatsache bestätigen Fachleute im In- und Ausland seit Jahrzehnten.
Damit bewahren wir seit nahezu 500 Jahren in der Bielefelder Altstadt ein
großartiges Erbe, das es zu hegen und zu pflegen gilt. Dieser Aufgabe sieht
sich der FÖRDERKREIS ANTWERPENER ALTAR seit seiner Gründung gemeinsam mit
dem Presbyterium der Nicolaikirche verpflichtet.
Das Kunstwerk aus der Antwerpener
Schule, das mit seinen 9 geschnitzten Schreinen und 24 Bildtafeln zu den
größten seiner Art in Europa zählt, wollte mit seinem vielseitigen Bildprogramm
den des Lesens weitgehend unkundigen Menschen des späten Mittelalters Geschichten
aus der Bibel und anderer frommer Legenden in erzählender Form nahe bringen.
So enthält das Bildprogramm auf seiner Festtagsseite (mit geöffneten Flügeln)
in seinem Hauptteil die biblische Passionsgeschichte, dazu kommen Szenen
aus dem Leben der Gottesmutter Maria und der Kindheit Jesu, wie zum Beispiel
Geburt, Beschneidung und Anbetung der Könige. Die Werktagsseite (mit geschlossenen
Flügeln), wie der Altar während der Karwoche zu sehen ist, zeigt ganz andere
Themen, die der mittelalterlichen Kirche wichtig waren, nämlich verschiedene
Darstellungen zum Abendmahl (Eucharistie) und aus dem großen Fundus der Legenden
um das Kreuz Christi. Mit seinem erzählerischen Reichtum ist dieses Kunstwerk
von einmaligem Rang in unserer Stadt.
Im August 2010 konnten Experten aus Münster das Werk gründlich untersuchen, vermessen, und die Schreine und Tafeln in allen Details überprüfen. Schon in den wenigen Tagen dieser Forschungsarbeit gab es überraschende Neuigkeiten. Das Wichtigste: 1. Aussehen und Aufbau des Altars wurden im Laufe der Jahrhunderte verändert. Denn auf dem Altarschrein standen ursprünglich große Figuren und die oberen Teile der Klappflügel waren unmittelbar am Schrein befestigt, so dass das gesamte Werk sich ursprüglich mal anders präsentiert hat. 2. Was Insider schon lange wussten, hat sich einmal mehr bestätigt. Der Stifter war ein hochrangiger geistlicher Herr, das bestätigt seine Bekleidung in der zweifachen Darstellung in den Schreinen der Geburt Jesu und in der Grablegung. In beiden Fällen ist der Stifter mit einem Chormantel, der nur von Männern getragen wurde, bekleidet. Die gelegentlich zu findende Auffassung von einer „Stifterin“ ist nicht haltbar. 3. Die Vergoldung und Farbe an den geschnitzten Figuren, die so genannte Fassung ist weitgehend im Original von 1524 erhalten.
Das ist für die weitere Forschungsarbeit von besonderem Wert. Bedeutet das doch, dass der Altar die Zeiten des Bildersturms im 16. Jahrhundert, der Französischen Besatzung im Siebenjährigen Krieg, als die Nicolaikirche als Getreidemagazin diente, und auch die Zeit im 19. Jahrhundert, als viele Kunstwerke aus evangelischen Kirchen verkauft oder verschenkt wurden, gut überstanden hat.
Wenn auch der wertvolle Altar weit über Bielefeld hinaus
gewürdigt wird, so sind doch viele Fragen bis heute noch offen:
• Welche Persönlichkeit
verbirgt sich hinter den beiden Stifterfiguren? Anders gefragt: wer war der
geistliche Herr, oder die geistlichen Herren der /die eine so kostbare Stiftung
für die Altstädter Nicolaikirche finanzieren konnte(n)?
• Wer hat das Bildprogramm des Altars festgelegt? Manche Forscher sind der
Auffassung, dass in einigen Schreinen und Tafeln der Einfluss von Franziskanermönchen
zu erkennen sei. Und ein Konvent dieses Ordens residierte seit 1511 in unserer
Stadt am benachbarten Klosterplatz.
• Wer waren schließlich die Antwerpener Künstler, die das Werk geschaffen
haben? In den 1520er Jahren arbeiteten in der Stadt an der Schelde, die damals
zu den reichsten Städten Europas gehörte, viele Meister der Bildschnitzerei
und der Tafelmalerei mit Gesellen und Lehrlingen in ihren kleinen Werkstätten.
Welcher Meisterhand wir das Bielefelder Retabel zu verdanken haben, dieser
Frage wollen wir ein Stück näher kommen.
Fragen über Fragen. Wir werden sie
wohl niemals vollständig aufklären können, sind aber überzeugt, dass vieles,
was heute im Dunkeln liegt, mit solider Forschungsarbeit zu erhellen sein
wird.
Der Bielefelder FÖRDERKREIS ANTWERPENER ALTAR steht mit
Fachleuten, Kunsthistorikern und Restauratoren im In- und Ausland in Kontakt
und wir sollten die bescheidenen Anfänge unserer Arbeit mit ihren viel versprechenden
Ergebnissen Schritt für Schritt weiterführen, um die zu Tage geförderten
Ergebnisse schließlich in einem qualifizierten Bildband zu veröffentlichen.
Dazu reichen aber unsere eigenen Mittel nicht aus. Ein erster Schritt mit
der gründlichen Untersuchung unseres Altars ist getan, weitere vergleichende
Studien an Altären im In- und Ausland müssten folgen, um zu aussagekräftigen
Resultaten zu kommen und diese der Öffentlichkeit zu präsentieren. Deshalb
hofft der FÖRDERKREIS ANTWERPENER ALTAR auf Unterstützung der Bielefelder,
um in unserer Kenntnis um diesen Kunstschatz – übrigens dem Einzigen seiner
Art in Ostwestfalen einen großen Schritt nach vorn zu kommen.
Kontakt:
Harald Propach Vorsitzender des Förderkreises
Antwerpener Altar der Altstädter Nicolaikirchengemeinde in Bielefeld e.V.
Wertherstr. 130, 33615 Bielefeld
Telefon: 0521 101282
eMail: hpropach@t-online.de
Projektkonto:
754 344 600
Bielefelder Volksbank
BLZ 480 600 36
Der FÖRDERKREIS ANTWERPENER ALTAR ist gemeinnützig und er ist berechtigt,
Spendenbescheinigungen auszustellen.


